Trauma-Informiert-Leben

Wie Trauma die Gesellschaft beeinflusst

Trauma haben doch vor allem die anderen.

Ich – also ich im Sinne von uns allen, natürlich nicht. Warum denn.

Bei mir ist alles Ordnung.

Oder Moment.

Alles gut! …sagt man ja heute mit einem an überragender Überzeugung aufgesetztem Gesicht.

Mich betrifft das alles nicht – warum sollte ich dafür verantwortlich sein?

Das ist ganz einfach: Weil Du, weil ich – weil wir alle Teil dieser Gesellschaft sind. Und die Summe der ganzen Gesellschaft immer nur so gut sein kann, wie die einzelnen Individuen.

Trauma wirkt mächtig – aber oft unbenannt

Offensichtlich unbemerkt und dennoch wirken die Folgen von Traumen in Betroffenen und damit in unserer Gesellschaft. Allerorten wundert man sich derzeit, dass sich die Menschen so verändert hätten. Oder das der zwischenmenschliche Ton ein wenig rauher geworden wäre. Das die nachbarschaftliche Hilfe nicht mehr die ist, wie noch vor Jahren. Das die Aggressionen und die verbale sowie körperliche Gewaltbereitschaft zunimmt.

Für mich sind das offensichtliche Folgen von Trauma.

Doch noch immer wird das Wort Trauma mit spitzen Fingern angefasst. Noch immer werden Betroffene als Minderheit stigmatisiert, gemobbt, benachteiligt und vor allem eines: Nicht wirklich unterstützt.

Und das in einem Land – wo wir alle Möglichkeiten haben. Wir haben das Wissen. Es gibt genug Geld und es gibt extrem viele Menschen, die sich den Folgen von Trauma stellen wollen. Das sind zum einen die Betroffenen, die auf der Suche nach Heilung sind. Das sind aber auch eine ganze Menge Unterstützer – also Therapeuten, Ärzte, Yogalehrer und viele mehr.

Was braucht es also, um zwei lose Enden wieder miteinander zu verbinden?

Wir bräuchten Mut zu etwas mehr Gelassenheit

Und trotzdem gelingt es uns als Gesellschaft derzeit nur schwer, eine gewisse Ruhe, Regulation oder Lebensumstände zu kreieren, in denen Menschen wieder glücklich und gern leben und sich nach traumatischen Ereignissen auch wieder erholen können.

Aufregen, sich beschweren, kämpfen und es denen mal so richtig zeigen – ist Mode, hält die Energie oben und schafft vor allem eines – Gräben. Tiefe Gräben zwischen den Herzen der Menschen.

Wir sind mitten drin – in den sogenannten Überlebensstrategien. (Kampf, Flucht, Schockstarre, Unterordnen)

Und dann beginnen sich die Dinge zu summieren.

Doch was hat das Schicksal Einzelner mit mir als Person und mit der ganzen Gesellschaft zu tun?

Jeder von uns ist ein Teil der Gesellschaft. Jede Gesellschaft kann als Ganzes nur so gut funktionieren – wie die einzelnen Individuen dazu in der Lage sind. Nahezu jeder Einzelne, der eine überfordernde Situation, eine traumatische Situation erlebt – durchläuft eine lange Phase der Erholung. Am Anfang gibt es durchaus Anerkennung durch das Umfeld. Er oder sie hatte einen Unfall, eine Operation, einen Überfall und darf sich schonen. Da ist ein Schock und die damit verbundenen Symptome sind ganz normal und werden respektiert.

Das Symptome wie Erschöpfung, Angst und Wut sich tief eingraben und sich vor allem mit jeder Situation, die nicht traumasensibel abläuft, summieren – das ist den Wenigsten bewusst. Das diese Symptome auch nach Jahren noch bestehen, scheint nahezu unbekannt.

Ist aber so.

Was können wir tun?

  • Das A und O ist die Bereitschaft, sich über diese Dynamiken informieren zu wollen.
  • Die Fähigkeit sein Gegenüber respektvoll zu behandeln ist Gold wert.
  • Die Fähigkeit hinter hoher Energie wie Wut und Ärger – die eigentliche Verletzung zu vermuten und reguliert darauf zu reagieren, hilft der Gesellschaft zu heilen.
  • Die Fähigkeit reguliert auf andere zuzugehen und nicht selbst in kindlichen Mustern bockig zu versinken, schafft Verbindung.

Gehen wir es also ruhig an und helfen einander zu heilen.

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